Frühlingsgedichte richten den Blick auf einen konkreten Charakterzug, Beruf, Alltag oder saisonalen Anlass. Dadurch wirkt der gereimte Gruß persönlicher und lässt sich gezielt für den jeweiligen Empfänger auswählen. Diese Frühlingsgedichte greifen kleine Naturbeobachtungen und die Vorfreude auf Licht und Wärme auf. Regentropfen, ein letztes Winterblatt und erwachendes Leben verbinden sich mit heiteren Gedanken für den Alltag.
Die drei Texte setzen unterschiedliche Akzente: ruhiges Wahrnehmen, Abschied von der kalten Jahreszeit und ein lebhafter Ausblick auf sonnigere Tage. Sie passen zu einem persönlichen Frühlingsgruß oder zum Vorlesen. Die Gedichte sind nicht auf einen einzigen Feiertag beschränkt, auch wenn einzelne Bilder an Ostern erinnern.
Frühlingserwachen im ersten Grün
Das erste Gedicht richtet den Blick auf Wassertropfen und frisches Grün. Es verbindet das genaue Hinschauen mit der Einladung, den eigenen Tag offener wahrzunehmen. Der Ton ist ruhiger und bildhafter als in den folgenden Fassungen.
und macht es für den Frühling satt,
an dem das Auge vorliebnimmt,
damit es sich am Grünen trimmt.
Nichts soll ihm verloren gehen,
um sattes Grün entgegenzusehen,
welches sich im Nu entfaltet
und so manches Herzblatt gestaltet.
Selbst der morgendliche Tau
stellt sich imposant zur Schau,
wenn du erwacht nach draußen siehst
und diesen Augenblick genießt.
Sei wie die zarten Knospen erfreut,
geh mit leuchtenden Augen heut
in den Tag, der dich erwartet,
wie der Frühling sein Grünes startet.
© Ute Nathow
Den Winter verabschieden
Ein letztes Blatt und die Spuren des Winters leiten hier den Wechsel der Jahreszeit ein. Dazu kommen heitere Osterbilder und die Vorfreude, schwere Kleidung hinter sich zu lassen. Das Gedicht passt zu einem beschwingten Gruß im Frühjahr.
kannte bis jetzt keine Hast,
hielt sich an der Rinde fest
kein Vöglein brauchte es fürs Nest.
Nun ist es müde an jenem Baume,
eine Bö erwischt’s im Traume,
so, es ausgedient zu Boden geht,
wo sattes Grün in Reihe steht.
Es hütete unermüdlich den Knospentrieb,
da es lange standhaft blieb.
In satten Farben erwacht die Natur,
es grünt und knospet auf weiter Flur.
Rasant mit jedem Sonnenstrahl
kommt Saft und Kraft bis runter ins Tal.
Es kündigt sich das Frühlingserwachen an,
jeder es kaum erwarten kann.
So rüste dich mit Lichtschutzfaktor,
knabbere noch mal am Schokoohr,
verbanne deine Winterboots,
sei wie der Grashalm, frohen Muts.
© Ute Nathow
Mit Vorfreude auf wärmere Tage schauen
Diese Verse nehmen bereits wärmere Tage, Gartenarbeit und die Geräusche der Natur in den Blick. Ihr direkter, humorvoller Ton macht sie zu einem lebhaften Frühlingsgruß. Sie laden zum Wahrnehmen und Genießen ein, ohne eine bestimmte Feier vorauszusetzen.
wenn es in den Sommer geht,
sonst die Stirn einen Schatten wirft,
wenn sie dir im Gesicht rumsurft.
Den Hinterkopf bei Gartenarbeit schütze
mit einer nicht zu dicken Mütze.
Mückenabwehrutensilien trag’,
wenn abends die Sonne verlässt den Tag.
So siehst du wie ein Frühblüher aus,
holst du abends den Grill dann raus,
nicht zerstochen, nicht verbrannt
und keinen Schatten am Haaresrand.
Atme die Blütezeit von Grün und Rosé
und mit Freude an deine Freizeit geh,
höre den Wind durchs Blattwerk rauschen,
nimm dir Zeit, dem Kuckuck zu lauschen.
© Ute Nathow
Ein Naturmotiv zum Gedicht auswählen
Ein eigenes Foto von Knospen, Blättern oder einem vertrauten Garten kann den Gruß persönlich machen. Schreibe dazu, was dich gerade an den Frühling erinnert. Beim Vorlesen helfen kleine Pausen, damit die einzelnen Bilder wirken können. Beim Vorlesen kann eine kurze Einleitung erklären, warum gerade dieses Gedicht zur Person oder Situation passt.
